Wegen der Wirtschaftskrise laufen Otto Franks Geschäfte nicht gut. Deshalb und auch aufgrund der Machtergreifung der Nazis 1933 entschließt sich die Familie Frank zur Emigration. Ende des Jahres gehen sie in die Niederlande.

Schwierige Zeiten in Deutschland

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Die Bank der Familie Frank gerät durch die Wirtschaftskrise zunehmend in Schwierigkeiten. Nachdem Hitler und die NSDAP 1933 in Deutschland an die Macht gekommen sind, wird die Lage für alle jüdischen Bürger schlechter. Otto Frank und seine Frau Edith wollen deshalb emigrieren. Als Otto die Möglichkeit erhält, in Amsterdam eine Firma zu gründen, verlässt die Familie Frank Deutschland.

Ein der letzten Bilder von Anne (l.), Margot und ihrer Mutter in Frankfurt Fotocollectie Anne Frank Stichting

Finanzielle Probleme

Otto und Herbert ist es nicht geglückt, die Bank ihres Vaters nach 1919 noch erfolgreich zu führen. Die Bank hat schwer unter den finanziellen Folgen des Ersten Weltkriegs zu leiden und wird außerdem gesetzlichen Einschränkungen im Geld- und Devisenhandel unterworfen. Nach einer kurzen Belebung gerät die deutsche Wirtschaft nach dem Börsenkrach 1929 erneut in eine große Krise. Die Bank gerät in immer größere Schwierigkeiten. Auch in der anderen Firma, die Otto seit 1927 leitet, eine Fabrik, die unter anderem Halspastillen herstellt, gehen die Einnahmen zurück. Ottos Schwager Erich Elias geht 1929 in die Schweiz, um dort für die Firma Opekta zu arbeiten. Dieser Betrieb handelt mit Pektin, einem Geliermittel für Marmelade. Auch Otto sieht sich nach Möglichkeiten um, mit seiner Familie im Ausland neu anzufangen.

Hitler wird Reichskanzler

Im Winter 1932/33 ändert sich vieles für die Familie Frank und alle anderen jüdischen Bürger in Deutschland. Am 30. Januar 1933 wird Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannt. Otto erinnert sich später: „Am 30. Januar waren wir zufällig bei Bekannten eingeladen. Wir saßen am Tisch und hörten Radio. Da kam zuerst die Nachricht, dass Hitler Reichskanzler geworden sei. Danach kam ein Bericht von dem Fackelzug der SA in Berlin, und wir hörten das Schreien und Jubeln, und Hindenburg stehe am Fenster und winke, sagte der Sprecher. Am Ende hat Hitler geredet: ‚Gebt mir vier Jahre Zeit.' Der Bekannte, bei dem wir eingeladen waren, sagte aufgeräumt: ‚Lasst uns doch einmal sehen, was der Mann kann!' Ich wusste keine Antwort, meine Frau war wie erstarrt."

Sorgen um die Zukunft

Otto und Edith machen sich große Sorgen um ihre Zukunft. Vor ihren Töchtern lassen sie sich nichts anmerken, trotz der schwierigen Zeiten sollen Anne und Margot eine unbeschwerte Kindheit haben. Doch in Margots Schule wird in jedem Klassenraum ein Hitlerbild aufgehängt. Nach den Osterferien 1933 müssen die jüdischen Kinder getrennt von den anderen Kindern sitzen, damit sie von ihnen gut zu unterscheiden sind.

Im April 1933 erlässt das NS-Regime etliche Gesetze und Verordnungen, die sich gegen Juden richten. Jüdische Lehrer werden entlassen, jüdische Kinder werden beschimpft und schikaniert. Die Eltern nehmen Margot von der Schule. Viele andere jüdische Kinder verlassen die Schule ebenfalls. Die jüdischen Kinder, die bleiben, bekommen in allen Fächern auch bei guten Leistungen schlechtere Noten. Dahinter steckt die Auffassung, Juden seien minderwertig. Deshalb sollen sie nicht als intelligent erscheinen, und die Lehrer dürfen ihnen keine guten Zensuren mehr geben.

Als sich viele meiner Landsleute in Horden nationalistischer, grausamer, antisemitischer Verbrecher verwandelten, musste ich die Konsequenzen ziehen, und obwohl es mich zutiefst schmerzte, sah ich ein, dass Deutschland nicht die Welt war und verließ das Land für immer.

Otto Frank

Emigration

Da sie ihre Töchter nicht in einem Land aufwachsen lassen wollen, wo ihnen aufgrund ihrer Herkunft das Leben schwer gemacht wird, planen Otto und Edith, in einem anderen Land neu anzufangen. Im März 1933 steht ihr Entschluss fest: Otto geht in die Niederlande und gründet in Amsterdam eine Handelsniederlassung für Opekta. Dabei unterstützt ihn sein Schwager Erich. Otto stellt seine Arbeit in Deutschland ein und siedelt im Juli 1933 in die Niederlande über. Edith, Margot und Anne wohnen vorübergehend bei Großmutter Holländer in Aachen. Edith fährt von dort aus regelmäßig nach Amsterdam, um eine Wohnung für die Familie zu suchen. Nachdem das gelungen ist, wird Margot im Herbst 1933 nach Amsterdam gebracht. Anne folgt im Februar 1934.

Exposantenkaart Otto Frank
Der Messeausweis von Otto Frank für eine Messe in Rotterdam. © Anne Frank Fonds, Basel / Anne Frank Stichting, Amsterdam

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