Umbau, Erweiterung und Zielsetzung
Nach der Sanierung und Eröffnung im Jahr 1960 wird das Anne Frank Haus zweimal tiefgreifend umgebaut. Das Hinterhaus selbst, der Ort, an dem sich die Familie Frank und ihre Mitbewohner im Krieg versteckt hielten, wird in all den Jahren – bis auf einen Durchgang – so weit wie möglich im ursprünglichen Zustand belassen. Aber im Vorderhaus und im Haus Prinsengracht 265 wird im Laufe der Jahre vieles für die Zwecke des Museums umgestaltet.
Konservierung des Zimmers von Anne
Erhaltung der Bilderwand
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Das Studentenwohnheim, das Ende der fünfziger Jahre an der Ecke Prinsengracht/Westermarkt errichtet worden war, wird in den neunziger Jahren abgerissen und durch ein Gebäude mit Museumsräumen, Büros für die Mitarbeiter des Anne Frank Hauses und (neuen) Unterkünften für Studenten ersetzt.
Von oben nach unten: Otto Frank und Bürgermeister van Hall (rechts) mit Ehefrau vor dem Haus Prinsengracht 263, das restauriert wird; Schild „No admittance during restauration“ in drei Sprachen.
Der einzige Umbau, bei dem das Haus längere Zeit für Besucher geschlossen ist, findet 1970–1971 statt. Die Arbeiten werden notwendig, weil die Zahl der Besucher ständig zunimmt. In der Zeit der Sommerferien sind es oft 1500 oder mehr am Tag. Für einen solchen Zustrom ist das Gebäude nicht geeignet, zumal alle Besucher über denselben Weg hineinkommen und hinausgehen. Dadurch entsteht manchmal großes Gedränge. Ein grundlegender Umbau wird geplant.
Von Oktober 1970 bis Februar 1971 wird das Anne Frank Haus wegen der Sanierungsarbeiten geschlossen. Holzbalken, Dielen und Putz werden erneuert, und im obersten Stockwerk des Hinterhauses wird auch ein Durchgang zum Vorderhaus geschaffen.
So brauchen die Besucher das Hinterhaus nicht mehr durch den Durchgang beim schwenkbaren Bücherschrank und über die steile Treppe zu verlassen. Der Besucherstrom verläuft nun in einer Richtung. Das ist eine eingreifende Änderung, denn die Atmosphäre des „Eingeschlossenseins“ im Versteck kann nun nicht mehr so stark wie vorher nachempfunden werden. Aber angesichts der hohen Besucherzahl war der Wanddurchbruch unvermeidlich.
Der Umbau Anfang der siebziger Jahre wird größtenteils durch Spenden finanziert, die mit Hilfe einer beliebten Rundfunksendung (das VARA-Programm „Van Harte“ - „Von Herzen“) zusammenkommen. Reporter und ehrenamtliche Helfer sammeln im Rahmen der Sendung Geld für einen guten Zweck.
Anfang der siebziger Jahre wird auch beschlossen, Eintrittsgeld zu erheben. Otto Frank ist anfangs dagegen, denn er möchte vermeiden, dass Interessierte durch eine finanzielle Schwelle vom Besuch des Hauses abgehalten werden. Die Anne Frank Stiftung, die das Haus verwaltet, steuert jedoch auf ein immenses Defizit zu, und das Experiment, jeden Besucher um einen Eintrittspreis von 1 Gulden zu bitten, wird nach der Einführung fast von jedem akzeptiert. Auch Otto ist nun damit einverstanden.
Zwei Besucher am Eingang bei der Informationstafel mit den Eintrittspreisen (1979).
Ein zweiter, noch tiefer eingreifender Umbau des Anne Frank Hauses beginnt Mitte der neunziger Jahre. Dieses Sanierungs- und Erneuerungsprojekt, das wegen des weiterhin zunehmenden Interesses und dem Bedarf nach einer neuen musealen Präsentation notwendig wird, besteht aus vier Teilen:
- Konservierung des Hinterhauses, insbesondere des Zimmers von Anne Frank;
- Rekonstruktion des Vorderhauses und der anderen Räume der Prinsengracht 263: zurück zur Zeit der vierziger Jahre;
- Sanierung der Prinsengracht 265;
- Großer Neubau an der Ecke Prinsengracht / Westermarkt.
Zweck dieser umfangreichen Sanierung und Erneuerung in den neunziger Jahren ist es, den authentischen Ort, über den Anne Frank schreibt, durch eine Rekonstruktion des Vorderhauses sichtbar zu machen. Ein Besuch des Hauses soll dadurch zu einem Erlebnis werden.
Die Sanierung und Erneuerung dauert fünf Jahre. Während des gesamten Zeitraums bleibt das Haus – manchmal nur dank allen möglichen Improvisationen – für Besucher zugänglich. Die Rekonstruktion des Vorderhauses geschieht anhand von alten Fotos, genauen Beschreibungen in Annes Tagebuch und Erinnerungen von unter anderem Miep Gies, die schon vor dem Krieg und in der Kriegs- und Nachkriegszeit hier gearbeitet hat. Das Vorderhaus atmet nun wieder die Atmosphäre der Zeit, in der Miep dort als Sekretärin Otto Franks tätig war.
Der Neubau an der Stelle, wo in den sechziger Jahren ein Studentenwohnheim errichtet worden war, bedeutet eine erhebliche Erweiterung der Museumsräume und der mit dem Museum verbundenen Einrichtungen des Anne Frank Hauses. Außerdem befinden sich im Neubau die meisten Büros der Mitarbeiter des Hauses.
Dass an diesem Ort erneut Studenten-Apartments in die Planung einbezogen wurden, hat mit der Geschichte der Gebäude in den fünfziger Jahren zu tun und geht auf einen Kompromiss zwischen dem Anne Frank Haus, der Stadt Amsterdam und der Universität Amsterdam Anfang der neunziger Jahre zurück. Über dem Museumscafé an der Vorderseite zum Westermarkt wurden 24 Wohneinheiten für Studierende realisiert.
Der Neubau des Anne Frank Hauses.
Auch nach der Sanierung und Erneuerung in den neunziger Jahren wurde im Museum noch intensiv an der Konservierung der Originale im Hinterhaus gearbeitet, die an den Aufenthalt der Untergetauchten erinnern. Das Hinterhaus soll in weitgehend authentischem Zustand für künftige Generationen bewahrt bleiben.
So wurde zwischen 1999 und 2008 die bekannte Bilderwand in Annes Zimmer restauriert. Mit dieser Bilderwand war man in den fünfziger Jahren sehr achtsam, aber beim Umbau 1970 mit weniger Sorgfalt umgegangen.
Um die relative Luftfeuchtigkeit und die Temperatur weitgehend konstant zu halten, wurde das Museum samt Hinterhaus im Jahr 2008 mit einer Klimaanlage ausgestattet.
Von oben nach unten. Die Bilderwand hinter Plastik im Zimmer von Anne Frank; Restaurierung der Bilderwand; Die Werkstatt von Nico Lingbeek.