Am 23. August 2010 gegen 13.30 Uhr stürzte die Kastanie, die Anne Frank mehrmals in ihrem Tagebuch erwähnt, zusammen mit der stählernen Stützkonstruktion um.

Anne Franks Baum

In den zwei Jahren, in denen sich Anne Frank im Hinterhaus-Versteck aufhielt (6. Juli 1942 – 4. August 1944), wurden ihr Freiheitsdrang und ihre Sehnsucht nach der Natur immer stärker. Aus dem nicht abgedunkelten Dachfenster konnte Anne den Himmel, die Vögel und den Kastanienbaum sehen. Im Tagebuch schreibt sie drei Mal etwas über den Baum, zuletzt am 13. Mai 1944: „Unser Kastanienbaum steht von oben bis unten in voller Blüte und ist viel schöner als im vergangenen Jahr.“

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Kastanien

Der gut 170 Jahre alte Baum (eine Weiße Rosskastanie) stand im Innenhof des Grundstücks Keizersgracht 188. Er war einer der ältesten Kastanienbäume in Amsterdam. Als 2005 bekannt wurde, dass der Baum durch eine Pilzerkrankung ernsthaft geschädigt war, ließ das Anne Frank Haus mit Erlaubnis des Besitzers Kastanien sammeln, um daraus neue Bäumchen zu ziehen. Diese Bäumchen sind als Geschenke, u.a. für Anne-Frank-Schulen, gedacht. Inzwischen besitzen schon viele Schulen sowie einige Organisationen und Orte auf der ganzen Welt so ein Bäumchen. 2009 erhielt die Stadt Amsterdam 150 Nachkömmlinge des Baums als Geschenk für den großen Park „Amsterdamse Bos“. Die letzten Bäumchen aus dem Setzlingsprojekt des Anne Frank Hauses werden 2013, nach drei Jahren Quarantäne, in den USA eingepflanzt

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Der Kastanienbaum aus der Luft gesehen.

Pflege

Der Kastanienbaum wurde jahrelang im Auftrag der Stadt Amsterdam von der Firma Pius Floris Boomverzorging Amsterdam gepflegt. Die neuen Bäume wurden von dem Betrieb Bonte Hoek kwekerijen gezogen und gehegt. Seit 2008 kümmerte sich die Stiftung Support Anne Frank Tree um den Baum.

Stützkonstruktion für den Baum

Nach eingehenden Beratungen einigten sich die Stadt Amsterdam, die Anwohner, die „Bomenstichting“ (Baumstiftung), das Anne Frank Haus und der Grundstückseigentümer darauf, den Kastanienbaum zu erhalten. Im April 2008 wurde eine Stützkonstruktion angebracht und die Baumkrone verankert. Man nahm an, dass der Baum so noch fünf bis fünfzehn Jahre stehen bleiben könne. Die Stiftung Support Anne Frank Tree übernahm die Verantwortung für die sachgemäße Ausführung dieser Maßnahmen.

Baum mit Stützkonstruktion.

Baum umgestürzt

Am 23. August gegen 13.30 Uhr stürzte die Kastanie, die Anne Frank mehrmals in ihrem Tagebuch erwähnt, zusammen mit der stählernen Stützkonstruktion um. Ungefähr einen Meter über dem Boden brach der Baum ab. Zum Glück wurde niemand verletzt.

Der umgestürzte Baum am 23. August 2010.

Abtransport des Holzes

Am Donnerstag, dem 26., und Freitag, dem 27. August wird der vom Sturm umgewehte Kastanienbaum zersägt und abtransportiert. Das Anne Frank Haus ist nicht der Besitzer des Baumes und hat deshalb auch keinen Einfluss darauf, was mit dem Baum geschieht. Verantwortlich dafür ist die „Stichting Support Anne Frank Tree www.support-annefranktree.nl/. Was an die Stelle des Anne-Frank-Baumes treten soll, ist noch nicht bekannt. Der Baum stand auf einem Privatgrundstück, dessen Besitzer die Entscheidung treffen wird. Möglicherweise wird ein Ableger des Baums in den Garten gepflanzt.  Vorerst zeugt der Stumpf im Garten von dem Baum, der Anne Frank damals Trost spendete.

Tagebuchzitate

In Annes Tagebuch finden sich drei Einträge zum Kastanienbaum.

23. Februar 1944
Wir betrachteten den blauen Himmel, den kahlen Kastanienbaum, an dessen Zweigen kleine Tropfen glitzerten, die Möwen und die anderen Vögel, die im Tiefflug wie aus Silber aussahen. Das alles rührte und packte uns beide so, dass wir nicht mehr sprechen konnten.


18. April 1944.

Der April ist tatsächlich wunderbar, nicht zu warm und nicht zu kalt und ab und zu ein kleiner Regenschauer. Unsere Kastanie ist schon ziemlich grün, und hier und da sieht man sogar schon kleine Kerzen.

 

13. Mai 1944
Unser Kastanienbaum steht von oben bis unten in voller Blüte und ist viel schöner als im vergangenen Jahr.

Zitat Otto Frank

Annes Vater Otto Frank beschreibt in einer Ansprache im Jahr 1968, was ihm durch den Kopf ging, als er Annes Tagebuch zum ersten Mal las:

Wie konnte ich wissen, wie viel es für Anne bedeutete, ein Stückchen blauen Himmel zu sehen, die Möwen im Flug zu beobachten und wie wichtig ihr der Kastanienbaum war, wenn ich daran denke, dass sie sich früher nie für die Natur interessiert hatte. Aber sie sehnte sich danach, als sie sich wie ein Vogel im Käfig fühlte. Schon der Gedanke an die freie Natur gab ihr Trost. Doch alle diese Gefühle hatte sie für sich behalten