© Privécollectie Hélène Egger
Hélène Egger – „Samstag war ein schöner Tag. Dann war Sabbat.”
„Ich ging oft mit meinem ältesten Bruder in die Synagoge, die jüdische Kirche. Mein Bruder Daniël war eigentlich der einzige von uns, der noch richtig gläubig war. Das hatte er von unserer Mutter. Als sie krank wurde, gingen sie immer gemeinsam in die Synagoge. Nach ihrem Tod setzte Daniël diese Besuche fort. Ich begleitete ihn gerne dabei. Dann zog ich meine schönsten Kleider an. Die Religion interessierte mich nicht besonders, aber für mich war es eine Art Ausflug. Die volle Synagoge, die Frauen oben, die Männer unten. Nach dem Gottesdienst gingen wir jedes Mal zum Mittagessen zu Familie de Leeuw in die Banstraat. Das waren Bekannte von Daniël. Schüsseln voller gebratener Schollen. Und natürlich jüdisches Brot. Das mochte ich besonders. Bei dieser Familie herrschte immer eine schöne Atmosphäre. Es waren überaus freundliche Leute. Sie wollten es uns so angenehm wie möglich machen, weil wir gerade unsere Mutter verloren hatten. Wir taten ihnen leid.”
Quelle: Fragment aus Ik ben er nog. Het verhaal van mijn moeder Hélène Egger. Abdruck mit Genehmigung von Debby Petter (Autor) und Thomas Rap Verlag. Übersetzung von Gregor Seferens.

Die Synagoge an der Jacob Obrechtstraat. © Stadsarchief Amsterdam
Hélène Egger
Hélène Egger ist zehn, als die Niederlande 1940 von Deutschland besetzt werden. Da sich ihre Mutter einer schweren Operation unterziehen muss, lebt sie bei ihren Großeltern. Sie wird festgenommen, aber es gelingt ihrem Großvater dank seiner Beziehungen zum „Judenrat“, sie aus der Hollandsche Schouwburg zu befreien. Sie taucht unter und findet schließlich bei einer Bauernfamilie in Brabant einen Unterschlupf.
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