„Jüdische Schweinereien“
Ein Leser schreibt uns:
Sehr geehrte Herren, am Daniël Willinkplein 1 wohnt der Jude Zilversmit und führt dort ein jiddisches Speiselokal mit Eisdiele. Nun ist es schon ein furchtbar unangenehmer Anblick, wie all die Sterne Eis schlabbern (das tun sie meistens auf der Straße), aber am schändlichsten ist, dass sie das Papier, und das ist gar nicht mal so wenig, zusammen mit dem kleinen Löffel auf die Straße schmeißen. Ich weiß ja, dass das so eine Judenangewohnheit ist und dass sie sich in jedem Schweinestall wohl fühlen, aber in Süd wohnt hin und wieder auch noch ein Goy. Der muss sich das nun ansehen, dass die Straße, über die er auch gehen muss, verunreinigt wird. Und komme nur keiner auf die Idee, dass der Jude Zilversmit sein Zeugs selber wegräumt. Nein, das macht dann schon der Goy. Dieser Goy ist ein Straßenfeger, und er macht es anscheinend mit Liebe, da er jedesmal, wenn er die Judenschweinerei aufräumt, im Laden vorbeischaut und etwas zu sich nimmt. Und das, obwohl das Lokal ein „jüdisches Lokal“ und „Nur für Juden zugänglich“ ist. Außerdem hat der Jude Zilversmit am zweiten Pfingsttag Eis an mindestens dreißig Christen verkauft. Ist das nicht Anlass genug, mal richtig durchzugreifen?
Amsterdam Hou Zee!*
de J.
In: De Misthoorn, 6. Juni 1942
* Hou Zee – damals Grußformel der NSB
Daniël Willinkplein
Dieser Platz beim sogenannten „Wolkenkratzer“ an der anderen Seite des Merwedeplein wird 1922 nach dem Schriftsteller und Lyriker Daniël Willink (1676-1722) benannt. Am 20. Juni 1943 werden auf der Rasenfläche des Platzes die Bewohner des Viertels zusammengetrieben. Mit Straßenbahnen müssen sie zur Muiderpoortstation fahren und von dort aus mit dem Zug in das Lager Westerbork. 1946 wird der Platz umbenannt in Victorieplein.
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