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1942 Es wird immer gefährlicher für Juden
© Privécollectie Paula Bakker

Paula Bakker - Hartog Frank

Hartog Frank – von allen Harry genannt – wohnte schon seit meinem achten Lebensjahr bei uns. Er gehörte fast zur Familie. Ich hatte viel an ihm. Er hat mir mir gespielt. Selber hatte er eine Tochter und einen Sohn, die lebten bei seiner nicht-jüdischen Frau, von der er geschieden war. Er selber war Jude. Bis 1942 oder 43 hat er bei uns gewohnt, dann musste er untertauchen.

Herr Harry gab mir Französischunterricht. Er hatte einen guten Einfluss und brachte etwas Künstlerisches ins Haus. Ich wurde später Modezeichnerin, das hat vielleicht auch mit dem Einfluss von Harry Frank zu tun. Er besuchte im Krieg die Kunstgewerbeschule in der Metsustraat. Das war für ihn ein gewisser Schutz, denn der Direktor war Kommunist.

Er scherzte auch mit meiner Mutter. ,Frau Direktorin, würden Sie bitte die Nebenküche räumen. Franks Zimmer war neben der Küche, und meine Mutter benutzte oft seinen Waschtisch, um die Suppe kühl zu halten. Dass die Suppe ziemlich oft sauer wurde, ist nicht verwunderlich. In der sogenannten Nebenküche wurde Frank auch das Abendessen serviert, manchmal zusammen mit anderen Pensionsgästen. 

Im Krieg gab es wegen Frank viele Spannungen. Er hatte gute Kontakte mit einer hochgestellten Person in der Euterpestraat, die ihn warnte, wenn eine Razzia bevorstand. Dann sorgte Herr Harry dafür, dass er nicht zu Hause war. Ich erinnere mich noch, dass Deutsche irgendwann nachts vor der Tür standen. Meine Mutter hatte ein weißes Nachthemd an, und mit ihren schwarzen, langen Haaren sah sie jüdisch aus. Sie sagten: ,Nimm dich in acht, wenn der Jude nicht da ist, nehmen wir dich mit. Das ist zum Glück nicht geschehen. Als ich zwölf war, ist Frank untergetaucht. Er hatte in dem Lokal uns gegenüber, wo heute ein Süßwarenladen ist, von einem deutschen Soldaten von der schrecklichen Ausrottung der Juden erfahren. Er kam aus dem Lokal und erzählte es uns. Das hatte natürlich enorme Auswirkungen. Frank hat den Krieg überlebt. Aber seine Tochter Mary nicht, obwohl sie Halbjüdin war. Sie war Aufseherin in Westerbork. Sie wurde auf Transport geschickt. 

Als Mary einmal aus Westerbork kommen durfte, fragte mein Vater, ob sie noch etwas brauche. ,Ja. Monatsbinden. Die haben wir dort nicht, sagte sie. Mein Vater hat dann einen großen Vorrat gekauft. Auf der Spuistraat hat ihn ein Deutscher angehalten, der fragte sich natürlich, was in dem dicken Paket war!

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Paula Bakker

Paula Bakker ist 10, als auch in den Niederlanden der Krieg ausbricht. Ihre unverheiratete Mutter betreibt mit Paulas Stiefvater eine Pension am Singel. Deshalb wohnen noch etwa zehn Fremde im Haus, Untermieter und Pensionsgäste. Die meisten sind ledig oder geschieden, mit manchen gibt es viel, mit manchen kaum Kontakt. Paula erlebt die Besatzungszeit in vielen Facetten.

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1933 Auf der Suche nach einem sicheren Leben

Die Franks möchten sich, wie viele andere Juden im nationalsozialistischen Deutschland, in Sicherheit bringen. Otto Frank reist schon vor und gründet in Amsterdam seine Handelsniederlassung für Opekta.

1938 Viele jüdische Flüchtlinge nach den Novemberpogromen

Nach den Novemberpogromen fliehen mehr Juden in die Niederlande. Auch Prinzessin Juliana fühlt sich mit der jüdischen Gemeinschaft verbunden. Während der Aufnahme von Juden mehr Aufmerksamkeit zuteil wird, treten NSB-Leute zunehmend militanter in Erscheinung.

1940 Amsterdam besetzt

Für die Familie Frank ändert sich nach dem Einmarsch der Deutschen zunächst noch nicht so viel. Opekta zieht in die Prinsengracht um. Bombenangriffe fordern Tote und Verletzte in Amsterdam.

1940  Amsterdam besetzt

1941 Juden haben immer weniger Rechte

Es beginnt mit einem Kinoverbot, aber schon bald werden Juden praktisch überall aus dem öffentlichen Leben ausgeschlossen. Jüdische Kinder müssen gesonderte Schulen besuchen, also auch Anne und Margot Frank.

1941  Juden haben immer weniger Rechte

1942 Es wird immer gefährlicher für Juden

Zum dreizehnten Geburtstag bekommt Anne Frank ein Tagebuch geschenkt. Ein paar Tage später schreibt sie etwas über die Lage in Amsterdam. Der gelbe Stern wird eingeführt, und die ersten Razzien finden statt. Im Juli taucht die Familie Frank unter.

1942  Es wird immer gefährlicher für Juden

1943 Deportationen und Anschläge

Während die Familie Frank im Versteck lebt, werden mehrere tausend Juden aus Amsterdam deportiert. Der Widerstand versucht, die Deportationen durch Anschläge auf u.a. das Bevölkerungsregister zu vereiteln. Aber es nützt nicht viel.

1943  Deportationen und Anschläge

1944 Entdeckt und verhaftet

Am 4. August werden Anne und die anderen im Hinterhaus entdeckt und verhaftet. Über Westerbork werden sie nach Auschwitz deportiert. Als die Alliierten im Süden der Niederlande die Grenze passieren, entsteht kurzzeitig die Hoffnung auf eine rasche Befreiung. Deutsche Soldaten und NSB-Leute ergreifen nach dem „Dolle Dinsdag“ (Verrückten Dienstag) die Flucht.

1944  Entdeckt und verhaftet

1945 Der Hungerwinter fordert seinen Tribut

Amsterdam leidet unter dem Hungerwinter. Viele Menschen verhungern oder erfrieren. Edith, Margot und Anne Frank sterben im Konzentrationslager. Otto Frank überlebt als einziger. Die Kanadier erreichen Amsterdam.

1945 Freude und Kummer

Bei einem Fest auf dem Dam am 7. Mai schießen deutsche Soldaten in die Menge. Es gibt mehrere Todesopfer. Am 8. Mai wird Amsterdam endgültig befreit. Otto Frank kehrt zurück. Er weiß bereits, dass Edith tot ist. Dass seine beiden Töchter nicht überlebt haben, erfährt er erst später.

1945  Freude und Kummer

1946 Langsam nimmt das Leben wieder seinen Lauf

Am 3. Mai 1946 findet der erste offizielle Totengedenktag statt. Anne Franks Tagebuch wird am 25. Juni 1947 veröffentlicht. In Amsterdam nimmt das normale Leben langsam wieder seinen Lauf. Nur 10.000 der 70.000 Juden, die 1940 in der Stadt wohnten, haben den Krieg überlebt.

1950 Bleibende Erinnerung

Auch wenn seit der Befreiung schon fünf Jahre vergangen sind, hat der Krieg noch einen deutlichen Nachhall. Die jüdische Gemeinschaft dankt der Stadt Amsterdam mit einem Denkmal für die Hilfe, die sie den Juden geleistet hat.

1950  Bleibende Erinnerung
  • 1950
  • Den Beschützern der niederländischen Juden in den Besatzungsjahren. Beschützt durch Ihre Liebe. Gestärkt durch Ihren Widerstand. Trauernd mit Ihnen.

    Teil der Inschrift des Denkmals „Jüdische Dankbarkeit“
  • picture:Einmal im Jahr zwei Schweigeminuten

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Wie die deutsche Besatzung und die Judenverfolgung Amsterdam gezeichnet haben

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Anne Franks Amsterdam aus der Vogelperspektive

Die wichtigsten Orte und Geschichten aus Anne Franks Amsterdam. Klicke die Zeitleiste an und erfahre, wie sich Amsterdam ab 1933 von einem Zufluchtsort in eine besetzte Stadt verwandelt. Klicke zum Vergrößern auf das kleine Pluszeichen links. Die Orte auf der Karte lassen sich dann besser anklicken.