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1943 Deportationen und Anschläge
Victorieplein
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© NIOD / Anne Frank Stichting

Razzia im Fluss-Viertel

Juden gehen zur Grünanlage vor dem „Wolkenkratzer“ am Daniël Willinkplein. Sie müssen sich dort versammeln und warten, bis sie von den Deutschen abgeführt werden. Nach dem Krieg wird der Platz in Victorieplein umbenannt. Nicht weit davon entfernt ist der Merwedeplein, wo Anne Frank wohnt, bevor sie untertauchen muss.

Bei der Razzia am Sonntag, dem 20. Juni 1943, werden ungefähr 5.500 Juden in Amsterdam-Süd und -Ost verhaftet. Nicht alle sind Bürger von Amsterdam. Viele Juden mussten seit einem Jahr aus dem ganzen Land nach Amsterdam ziehen.

Strenge Geheimhaltung

Die Razzia kommt unerwartet. Damit nichts durchsickert, hat die Leitung des Sicherheitsdienstes die beteiligte deutsche und niederländische Polizei erst im letzten Moment informiert. Ab halb vier morgens fahren Lautsprecherwagen durch die Stadtviertel und fordern die Juden auf, zu den Sammelstellen am Daniël Willinkplein, Olympiaplein, Sarphatipark und Polderweg zu gehen. Polizeiposten haben die Viertel abgesperrt. Die Razzia dauert bis tief in die Nacht.

Ausgeraubte Wohnungen

Wer nicht freiwillig kommt, wird mit Gewalt aus seiner Wohnung geholt. Die Menschen werden mit dem Zug nach Westerbork gebracht. Sie müssen alles zurücklassen. Leute aus der Nachbarschaft und eine von den Nazis beauftragte Firma räumen die verlassenen Wohnungen aus.

Nur ein Viertel überlebt

Die Deportationen haben erst ein Jahr zuvor begonnen. Insgesamt werden unter der deutschen Besatzung 107.000 Juden aus den Niederlanden in Konzentrations- und Vernichtungslager in Deutschland und im besetzten Polen deportiert. Etwas mehr als 5000 werden die Lager überleben. Einige tausend niederländische Juden kommen außerhalb der Lager um, und eine unbekannte Anzahl Menschen nehmen sich das Leben. So überleben nur 25 Prozent der 140.000 niederländischen Juden den Krieg. Insgesamt werden fast 62.000 Amsterdamer Juden ermordet.

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Daniël Willinkplein

Dieser Platz beim sogenannten „Wolkenkratzer“ an der anderen Seite des Merwedeplein wird 1922 nach dem Schriftsteller und Lyriker Daniël Willink (1676-1722) benannt. Am 20. Juni 1943 werden auf der Rasenfläche des Platzes die Bewohner des Viertels zusammengetrieben. Mit Straßenbahnen müssen sie zur Muiderpoortstation fahren und von dort aus mit dem Zug in das Lager Westerbork. 1946 wird der Platz umbenannt in Victorieplein.

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1933 Auf der Suche nach einem sicheren Leben

Die Franks möchten sich, wie viele andere Juden im nationalsozialistischen Deutschland, in Sicherheit bringen. Otto Frank reist schon vor und gründet in Amsterdam seine Handelsniederlassung für Opekta.

1938 Viele jüdische Flüchtlinge nach den Novemberpogromen

Nach den Novemberpogromen fliehen mehr Juden in die Niederlande. Auch Prinzessin Juliana fühlt sich mit der jüdischen Gemeinschaft verbunden. Während der Aufnahme von Juden mehr Aufmerksamkeit zuteil wird, treten NSB-Leute zunehmend militanter in Erscheinung.

1940 Amsterdam besetzt

Für die Familie Frank ändert sich nach dem Einmarsch der Deutschen zunächst noch nicht so viel. Opekta zieht in die Prinsengracht um. Bombenangriffe fordern Tote und Verletzte in Amsterdam.

1940  Amsterdam besetzt

1941 Juden haben immer weniger Rechte

Es beginnt mit einem Kinoverbot, aber schon bald werden Juden praktisch überall aus dem öffentlichen Leben ausgeschlossen. Jüdische Kinder müssen gesonderte Schulen besuchen, also auch Anne und Margot Frank.

1941  Juden haben immer weniger Rechte

1942 Es wird immer gefährlicher für Juden

Zum dreizehnten Geburtstag bekommt Anne Frank ein Tagebuch geschenkt. Ein paar Tage später schreibt sie etwas über die Lage in Amsterdam. Der gelbe Stern wird eingeführt, und die ersten Razzien finden statt. Im Juli taucht die Familie Frank unter.

1942  Es wird immer gefährlicher für Juden

1943 Deportationen und Anschläge

Während die Familie Frank im Versteck lebt, werden mehrere tausend Juden aus Amsterdam deportiert. Der Widerstand versucht, die Deportationen durch Anschläge auf u.a. das Bevölkerungsregister zu vereiteln. Aber es nützt nicht viel.

1943  Deportationen und Anschläge

1944 Entdeckt und verhaftet

Am 4. August werden Anne und die anderen im Hinterhaus entdeckt und verhaftet. Über Westerbork werden sie nach Auschwitz deportiert. Als die Alliierten im Süden der Niederlande die Grenze passieren, entsteht kurzzeitig die Hoffnung auf eine rasche Befreiung. Deutsche Soldaten und NSB-Leute ergreifen nach dem „Dolle Dinsdag“ (Verrückten Dienstag) die Flucht.

1944  Entdeckt und verhaftet

1945 Der Hungerwinter fordert seinen Tribut

Amsterdam leidet unter dem Hungerwinter. Viele Menschen verhungern oder erfrieren. Edith, Margot und Anne Frank sterben im Konzentrationslager. Otto Frank überlebt als einziger. Die Kanadier erreichen Amsterdam.

1945 Freude und Kummer

Bei einem Fest auf dem Dam am 7. Mai schießen deutsche Soldaten in die Menge. Es gibt mehrere Todesopfer. Am 8. Mai wird Amsterdam endgültig befreit. Otto Frank kehrt zurück. Er weiß bereits, dass Edith tot ist. Dass seine beiden Töchter nicht überlebt haben, erfährt er erst später.

1945  Freude und Kummer

1946 Langsam nimmt das Leben wieder seinen Lauf

Am 3. Mai 1946 findet der erste offizielle Totengedenktag statt. Anne Franks Tagebuch wird am 25. Juni 1947 veröffentlicht. In Amsterdam nimmt das normale Leben langsam wieder seinen Lauf. Nur 10.000 der 70.000 Juden, die 1940 in der Stadt wohnten, haben den Krieg überlebt.

1950 Bleibende Erinnerung

Auch wenn seit der Befreiung schon fünf Jahre vergangen sind, hat der Krieg noch einen deutlichen Nachhall. Die jüdische Gemeinschaft dankt der Stadt Amsterdam mit einem Denkmal für die Hilfe, die sie den Juden geleistet hat.

1950  Bleibende Erinnerung
  • 1950
  • Den Beschützern der niederländischen Juden in den Besatzungsjahren. Beschützt durch Ihre Liebe. Gestärkt durch Ihren Widerstand. Trauernd mit Ihnen.

    Teil der Inschrift des Denkmals „Jüdische Dankbarkeit“
  • picture:Einmal im Jahr zwei Schweigeminuten

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