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1945 Der Hungerwinter fordert seinen Tribut
Geschehnisse in der Umgebung des Waterlooplein.
Waterlooplein
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© Ghetto Fighters' House / Boris Kowadlo

Boris Kowadlo – „Alles ist grau und schrecklich“

„In Amsterdam ist der Naziterror ein bisschen schwächer geworden, und deshalb sieht man mehr Untergetauchte auf den Straßen gehen und sich draußen bewegen.

Aber wir müssen trotzdem sehr vorsichtig sein, denn ständig finden Razzien unter der Bevölkerung statt. Bis jetzt war ich nur ein einziges Mal auf der Straße.

Wir gehen über die Jodenbreestraat, den Daniël Meijerplein und die Weesperstraat. (…) Viele Häuser sind verwüstet, ganze Häuserblöcke. Vieles hat sich verändert: Früher waren hier die großen Läden von Amsterdam. Es war ein sehr reiches Viertel: Alle reichen Juden und jüdischen Händler wohnten hier. Aber sie sind leider nach Polen oder in andere Konzentrationslager verschleppt worden.

Auf dem Muiderplein sieht man keine Menschenseele, alles ist verlassen. Wenn man über die Straße geht, macht einem die Leere zu schaffen. Früher herrschte hier reges Leben und Gelächter, aber jetzt ist alles anders, und daran kann man die jüdische Tragödie erkennen: Alles ist tot, und Juden sind nicht mehr zu finden. Alles ist grau und schrecklich.“

Seit Kowadlo sich wieder auf die Straße wagt, ist er in den letzten Monaten vor der Befreiung für die im Untergrund tätige Organisation „De Ondergedoken Camera“ (Die Untergetauchte Kamera) aktiv. Diese Gruppe von rund dreißig Fotografen schließt sich in der Zeit um den „Dolle Dinsdag“ (Verrückten Dienstag) zusammen, den 5. September 1944. Sie wollen die Befreiung fotografisch dokumentieren, doch die lässt noch auf sich warten. Statt dessen werden Widerstand und Hunger die wichtigsten Fotomotive.

Am 24. April 1945 kommt Boris Kowadlo mit knapper Not davon, als ihn ein deutscher Soldat beim Fotografieren ertappt. Er flieht, während auf ihn geschossen wird. Schließlich wird er doch noch verhaftet und in den „Groote Club“, ein von den Besatzen beschlagnahmtes Gebäude am Dam, gebracht. Kowadlo wird einem scharfen Verhör unterzogen, kommt aber mit dem Schreck davon. Das verdankt er auch der guten Qualität seiner gefälschten Papiere und der Tatsache, dass er vom Äußeren her nicht der Vorstellung der Deutschen von einem Juden entspricht.

 

Quelle: Bernadette van Woerkom: Boris Kowadlo. Fotograaf tussen herinnering en toekomst. Aus dem Jiddischen von Ariane Zwiers

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Boris Kowadlo

Der polnische Jude Boris Kowadlo kommt in den dreißiger Jahren in die Niederlande. Wegen der Wirtschaftskrise findet er als Fotograf kaum Arbeit. In der Besatzungszeit taucht er unter, und in den letzten Monaten vor der Befreiung ist er für die Untergrundorganisation „De Ondergedoken Camera“ (Die Untergetauchte Kamera) aktiv. Nach dem Krieg setzt Kowadlo mit einer beeindruckenden Fotoserie die Verwüstungen im jüdischen Viertel ins Bild.

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1933 Auf der Suche nach einem sicheren Leben

Die Franks möchten sich, wie viele andere Juden im nationalsozialistischen Deutschland, in Sicherheit bringen. Otto Frank reist schon vor und gründet in Amsterdam seine Handelsniederlassung für Opekta.

1938 Viele jüdische Flüchtlinge nach den Novemberpogromen

Nach den Novemberpogromen fliehen mehr Juden in die Niederlande. Auch Prinzessin Juliana fühlt sich mit der jüdischen Gemeinschaft verbunden. Während der Aufnahme von Juden mehr Aufmerksamkeit zuteil wird, treten NSB-Leute zunehmend militanter in Erscheinung.

1940 Amsterdam besetzt

Für die Familie Frank ändert sich nach dem Einmarsch der Deutschen zunächst noch nicht so viel. Opekta zieht in die Prinsengracht um. Bombenangriffe fordern Tote und Verletzte in Amsterdam.

1940  Amsterdam besetzt

1941 Juden haben immer weniger Rechte

Es beginnt mit einem Kinoverbot, aber schon bald werden Juden praktisch überall aus dem öffentlichen Leben ausgeschlossen. Jüdische Kinder müssen gesonderte Schulen besuchen, also auch Anne und Margot Frank.

1941  Juden haben immer weniger Rechte

1942 Es wird immer gefährlicher für Juden

Zum dreizehnten Geburtstag bekommt Anne Frank ein Tagebuch geschenkt. Ein paar Tage später schreibt sie etwas über die Lage in Amsterdam. Der gelbe Stern wird eingeführt, und die ersten Razzien finden statt. Im Juli taucht die Familie Frank unter.

1942  Es wird immer gefährlicher für Juden

1943 Deportationen und Anschläge

Während die Familie Frank im Versteck lebt, werden mehrere tausend Juden aus Amsterdam deportiert. Der Widerstand versucht, die Deportationen durch Anschläge auf u.a. das Bevölkerungsregister zu vereiteln. Aber es nützt nicht viel.

1943  Deportationen und Anschläge

1944 Entdeckt und verhaftet

Am 4. August werden Anne und die anderen im Hinterhaus entdeckt und verhaftet. Über Westerbork werden sie nach Auschwitz deportiert. Als die Alliierten im Süden der Niederlande die Grenze passieren, entsteht kurzzeitig die Hoffnung auf eine rasche Befreiung. Deutsche Soldaten und NSB-Leute ergreifen nach dem „Dolle Dinsdag“ (Verrückten Dienstag) die Flucht.

1944  Entdeckt und verhaftet

1945 Der Hungerwinter fordert seinen Tribut

Amsterdam leidet unter dem Hungerwinter. Viele Menschen verhungern oder erfrieren. Edith, Margot und Anne Frank sterben im Konzentrationslager. Otto Frank überlebt als einziger. Die Kanadier erreichen Amsterdam.

1945 Freude und Kummer

Bei einem Fest auf dem Dam am 7. Mai schießen deutsche Soldaten in die Menge. Es gibt mehrere Todesopfer. Am 8. Mai wird Amsterdam endgültig befreit. Otto Frank kehrt zurück. Er weiß bereits, dass Edith tot ist. Dass seine beiden Töchter nicht überlebt haben, erfährt er erst später.

1945  Freude und Kummer

1946 Langsam nimmt das Leben wieder seinen Lauf

Am 3. Mai 1946 findet der erste offizielle Totengedenktag statt. Anne Franks Tagebuch wird am 25. Juni 1947 veröffentlicht. In Amsterdam nimmt das normale Leben langsam wieder seinen Lauf. Nur 10.000 der 70.000 Juden, die 1940 in der Stadt wohnten, haben den Krieg überlebt.

1950 Bleibende Erinnerung

Auch wenn seit der Befreiung schon fünf Jahre vergangen sind, hat der Krieg noch einen deutlichen Nachhall. Die jüdische Gemeinschaft dankt der Stadt Amsterdam mit einem Denkmal für die Hilfe, die sie den Juden geleistet hat.

1950  Bleibende Erinnerung
  • 1950
  • Den Beschützern der niederländischen Juden in den Besatzungsjahren. Beschützt durch Ihre Liebe. Gestärkt durch Ihren Widerstand. Trauernd mit Ihnen.

    Teil der Inschrift des Denkmals „Jüdische Dankbarkeit“
  • picture:Einmal im Jahr zwei Schweigeminuten

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Anne Franks Amsterdam aus der Vogelperspektive

Die wichtigsten Orte und Geschichten aus Anne Franks Amsterdam. Klicke die Zeitleiste an und erfahre, wie sich Amsterdam ab 1933 von einem Zufluchtsort in eine besetzte Stadt verwandelt. Klicke zum Vergrößern auf das kleine Pluszeichen links. Die Orte auf der Karte lassen sich dann besser anklicken.