Uilenburgerstraat © Kryn Taconis / Library and Archives Canada
Joop Zoutberg – „Jeder dachte nur an sich“
„Während des Hungerwinters 1944 wurden viele Häuser im Viertel demoliert. Wenn ein Haus leer stand, wurde alles rausgeholt, was nur brennbar war. Ich trug immer eine kleine Brechstange in der Tasche, für den Fall, dass ich auf etwas Brauchbares stoßen sollte. Mit meinem Bruder ging ich in leerstehenden Wohnungen auf die Suche nach Holz, wir haben ganze Fußbodendielen rausgebrochen. Auf dem Waterlooplein war im Krieg ein lebhafter Handel, dort haben wir das Holz verkauft. Ein Fußbodenbalken brachte gut und gern um die achtzehn Gulden ein.
In diesem letzten Winter dachte jeder nur an sich. Ich sah Leute auf der Straße sterben, aber es hat mich nicht mal berührt. Bei der Zuiderkerk lagen Stapel von Leichen, am Fußgelenk hing ein Zettel mit dem Namen des Verstorbenen. Es gab kein Holz mehr für Särge, um die Menschen ordentlich zu bestatten. Nachts wurden sie von Ratten angefressen. In bestimmten Abständen wurden die Leichname abgeholt und auf dem Friedhof Oosterbegraafplaats unter gelöschtem Kalk begraben.“
Quelle: Fragment aus Machteloos? Ooggetuigen van de Jodenvervolging. Unter Mitarbeit der Autoren Anne Timmerman und Joop Zoutberg.
Joop Zoutberg
Joop Zoutberg wohnt als nichtjüdischer Junge mit seiner Familie im jüdischen Viertel. Sein Vater arbeitet in der Matze-Fabrik, und Joop fühlt sich hier zu Hause. Nachdem der gelbe Stern eingeführt wird, beginnen die Razzien. Joop wird Zeuge, wie seine Nachbarn und Freunde schließlich alle abgeholt werden.
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