Lepelstraat, juni 1945 © Nico Swaager - Stadsarchief Amsterdam
Hélène Egger - „Als ich nach Amsterdam zurückkam, war alles zerstört”
Als der Krieg vorbei ist, erscheint Besuch auf dem Bauernhof, wo Hélene jetzt lebt:
„Am 8. Mai kam Besuch. Der Pastor, zusammen mit einem anderen Mann aus dem Widerstand. ‚Setz dich mal hin, mein Kind’, sagte der Pastor, ‚wir haben gute Nachrichten für dich. Jetzt, da der Krieg vorbei ist, darfst du wieder zurück nach Hause, zu deinem Opa und deiner Oma in Amsterdam. Was werden die froh sein, dich wiederzusehen.’ Mir war, als schnürte mir jemand die Kehle zu. Nein, ich schüttelte den Kopf, nein, schrie es in meinem Innern. Nichts sagen, dachte ich, und vor allem nach oben schauen. Nicht weinen!
Am Abend fragte ich Mutter Betje und Vater Gerard, ob ich nicht bei ihnen wohnen bleiben dürfte.
‚Dann gehe ich nur für ein paar Tage zu Opa und Oma auf Besuch.’
‚Das geht nicht, Kind’, sagten sie, ‚dein Opa und deine Oma wollen dich wiederhaben. So gerne wir dich auch bei uns behalten würden, aber du gehörst zu ihnen. Du bist ihre Enkelin.’ Ich habe die ganze Nacht geweint. Am nächsten Tag musste ich von meiner Familie und von meiner großen Liebe Jo Abschied nehmen. Als ich nach Amsterdam zurückkam, war alles zerstört. Opa und Oma und ich. Wir waren froh, einander wiederzusehen, aber das Heimweh nach meinem Leben und meiner Liebe in Vorstenbosch zerrissen mich im Innern. Ich erstickte beinahe vor Kummer in der beengten Amsterdamer Wohnung.”
Quelle: Fragment aus Ik ben er nog. Het verhaal van mijn moeder Hélène Egger. Abdruck mit Genehmigung von Debby Petter (Autor) und Thomas Rap Verlag. Übersetzung von Gregor Seferens.
Rückkehr
Nach der Befreiung suchen Deportierte aus verschiedenen Teilen Europas den Weg zurück. Untergetauchte kommen aus ihren Verstecken. Und auch inhaftierte Widerstandskämpfer und Zwangsarbeiter kehren zurück. Viele Menschen sind vermisst. Von den 70.000 jüdischen Bewohnern, die aus Amsterdam deportiert wurden, kehren nur rund 4.000 zurück. In ihren Wohnungen treffen sie oft neue Bewohner an. Viele Häuser sind auch zerstört.
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