© Stadsarchief Amsterdam
„Kein ordentliches Kleidungsstück“
Der Jude I. Querido kehrt Anfang Juni 1945 nach Amsterdam zurück. Er bekommt Bezugsscheine für Kleidung und geht damit zu einem Kleiderlager am Nieuwendijk. Dort muss er erfahren, dass die Zurückgekehrten für ihre Bezugsscheine alte, abgetragene Kleidungsstücke bekommen.
„Ich habe mich geweigert, sie anzunehmen, obwohl ich kein ordentliches Kleidungsstück mehr am Leib trug. Ein Herr, der als Aufsichtsperson umherging, fragte mich, woran es hapere. Nach einem Gespräch gab er mir den Rat, zu ‚Nieuw Engeland’ am Koningsplein zu gehen, und er gab mir seine Karte, die ich dort abgeben sollte. Wie sich herausstellte, handelte es sich um Herrn Hollenkamp, einen der Besitzer von ‚Nieuw Engeland’. Ich wurde dort von Kopf bis Fuß (buchstäblich) eingekleidet, mit neuer Unterwäsche und Kleidung von Vorkriegsqualität. Ich war dankbar, dass ich jemandem begegnet war, der begriffen hatte, was die zurückgekehrten Juden durchgemacht hatten. Selbstverständlich habe ich, als ich dazu wieder imstande war, so weit es ging meine Kleidung bei ‚Nieuw Engeland’ gekauft.“
Quelle: Dienke Hondius: Terugkeer. Antisemitisme in Nederland rond de bevrijding, S. 133-134.
Rückkehr
Nach der Befreiung suchen Deportierte aus verschiedenen Teilen Europas den Weg zurück. Untergetauchte kommen aus ihren Verstecken. Und auch inhaftierte Widerstandskämpfer und Zwangsarbeiter kehren zurück. Viele Menschen sind vermisst. Von den 70.000 jüdischen Bewohnern, die aus Amsterdam deportiert wurden, kehren nur rund 4.000 zurück. In ihren Wohnungen treffen sie oft neue Bewohner an. Viele Häuser sind auch zerstört.
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