Boris Kowadlo – Kahlschlag im Judenviertel fotografisch dokumentiert
Aus einem Auftrag des Nieuw Israëlitisch Weekblad entsteht Kowadlos erstes Buch. 1948 liefert er der Zeitung die Fotos zu „Het verdwenen Ghetto“ (Das verschwundene Ghetto), einer elfteiligen Serie über das alte Amsterdamer Judenviertel, dessen Vergangenheit und Gegenwart der bekannte jüdische Historiker und Schriftsteller Jaap Meijer auf Spaziergängen erkundet.
Zum ersten Mal erscheinen Fotos des verwüsteten Viertels in der Zeitung, und die Leser sind sehr betroffen. Kowadlo hat die verheerende Wirkung der Schoah auf erschütternde Weise ins Bild gesetzt, mit eindringlichen, manchmal fast surrealistischen Fotos der Verlassenheit und Trostlosigkeit des ehedem so lebhaften Viertels.
Für viele Überlebende werden seine Aufnahmen der physischen Leere zum Ausdruck der gesellschaftlichen und psychischen Leere, die ihr Leben nach dem Krieg prägte.

Auf verbreiteten Wunsch werden die Texte von Jaap Meijer und die Fotos von Boris Kowadlo noch im selben Jahr in Buchform veröffentlicht; die Nachfrage ist so groß, dass 1949 eine zweite Auflage erscheint.
Quelle: Bernadette van Woerkom: Boris Kowadlo. Fotograaf tussen herinnering en toekomst.