Internationale Jugendkonferenz

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Übersetzte Transkription einer Sendung des niederländischen Rundfunksenders AVRO über die Internationale Jugendkonferenz am 5. Juni 1966.

Im Anne Frank Haus, organisiert vom Anne Frank Haus, eine deutsch-niederländische Konferenz. Das Thema ist naheliegend: der Deutsche und die Haltung der Niederländer.

„Herr Radius, Sie sind u.a. der Leiter des Anne Frank Hauses. Wie sind nun die Reaktionen von deutscher Seite?“

„Auf der einen Seite ist man erschrocken. Einige Rundfunkmitarbeiter waren ‚erschüttert’, haben sie mir erzählt, über die Härte, mit der die Themen hier zur Sprache kamen. Und ein paar junge Deutsche kamen zu mir und sagten: ‚Es ist eigentlich seltsam, dass wir dachten, die zwischenmenschlichen Beziehungen zwischen Deutschen und Israelis seien viel schwieriger, aber eigentlich kommt uns das wie ein Kinderspiel vor im Vergleich zu den Problemen, die entstehen, oder die eigentlich da sind, über die zu wenig offen gesprochen wird mit den niederländischen Jugendlichen und allen Generationen.’

An der Konferenz nimmt auch Herr Otto Frank teil, der Vater von Anne Frank, der kontinuierlich aktiv an der Arbeit des Hauses beteiligt ist. Er möchte gern seine eigenen Eindrücke kurz wiedergeben. 

„Ich bin außerordentlich froh, dass diese Konferenz stattgefunden hat, und ich glaube auch sagen zu können, dass sie bisher gelungen ist. Und ich hoffe, dass das Ergebnis dieser Konferenz ein positives sein wird, denn Diskussionen finden überall statt, es wird so viel diskutiert. Für mich ist immer die Hauptsache: ‚Was können wir tatsächlich in der Praxis erreichen?’ Für mich ist ein sehr großes Ziel, dass wir die Gleichgültigkeit, die in der Jugend momentan herrscht, nicht nur in Deutschland, auch hier, dass wir an die Gleichgültigen appellieren, wachsam und aktiv zu sein, vor allem in Deutschland, wo sich wieder eine Gruppe gebildet hat, die zwar behauptet, nicht nationalsozialistisch zu sein, aber in der doch das nationalsozialistische Element noch heute eine sehr große Rolle spielt. Und dagegen muss etwas unternommen werden.“