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Erforschung von Otto Franks Bemühungen um eine Emigration in die USA

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6. Juli 2018 — Das Anne Frank Haus und das United States Holocaust Memorial Museum präsentieren ihren Forschungsbericht über die Bemühungen von Otto Frank, Annes Vater, in die USA zu emigrieren. Bürokratie, Krieg und Zeit lassen Ottos Versuche scheitern.

Am 6. Juli 1942, heute vor 76 Jahren, taucht die Familie Frank im Amsterdamer Hinterhaus unter. Nach vergeblichen Emigrationsbemühungen bleibt ihnen keine andere Möglichkeit, sich der Verfolgung durch die Nazis zu entziehen. Die Familie van Pels und Fritz Pfeffer finden kurz darauf ebenfalls eine Zuflucht im Hinterhaus. Auch ihnen war es nicht gelungen zu emigrieren. Das Anne Frank Haus (AFH) und das United States Holocaust Memorial Museum (USHMM) präsentieren heute ihren Forschungsbericht über die Bemühungen von Otto Frank, Annes Vater, in die USA zu emigrieren. Bürokratie, Krieg und Zeit lassen Ottos Emigrationsbemühungen - wie die vieler anderer Jüdinnen und Juden - scheitern.

Konsulat

„Ich bin gezwungen, mich um unsere Emigration zu kümmern, und soweit ich sehe, sind die USA das einzige Land, in das wir gehen könnten.“ Das schreibt Otto Frank am 30. April 1941 an seinen guten amerikanischen Freund Nathan Straus in New York. Otto Frank hat schon seit 1938 vor, in die USA auszuwandern. Der Einreiseantrag muss zusammen mit allen notwendigen Dokumenten beim amerikanischen Konsulat in Rotterdam eingereicht werden, das als einzige Stelle in den Niederlanden Einreisevisa für die USA ausstellt. Das Konsulat wird am 14. Mai 1940 während der Bombardierung Rotterdams zerstört. Deshalb lässt sich die Warteliste nur schwer rekonstruieren, und alle Anträge, auch der von Otto Frank, müssen erneut gestellt werden.



Asylpolitik

Auch von Seiten der USA gibt es Hindernisse: In Ermangelung einer Asylpolitik müssen Juden, die sich aus Europa in die Vereinigten Staaten retten wollen, ein (langwieriges) Einwanderungsverfahren durchlaufen. Die Bereitschaft, jüdische Flüchtlinge aufzunehmen, ist gering. Otto Frank hofft, mithilfe seines Freundes Nathan Straus, der über finanzielle Mittel und Verbindungen verfügt, dennoch in die USA zu gelangen. Trotz der Bemühungen von Nathan und von Ottos beiden Schwägern, die in den USA leben, klappt es nicht. Neue Maßnahmen holen Otto ein: Die USA schließen alle deutschen Konsulate, woraufhin NS-Deutschland im Juli 1941 alle amerikanischen Konsulate im Deutschen Reich und in den besetzten Ländern schließt. Ottos Versuch, über Kuba in die USA einzureisen, scheitert ebenfalls. Nach dem Angriff auf Pearl Harbor und der Einstellung des transatlantischen Schiffsverkehrs ist eine Passage nach Kuba nicht mehr möglich. Otto Frank entschließt sich, mit seiner Familie unterzutauchen. Als Versteck dient ihnen das Hinterhaus des Firmengebäudes an der Prinsengracht.


Neue Erkenntnisse


Nach der Entdeckung von Briefen und anderen Dokumenten aus dem Besitz Otto Franks beim YIVO Institute for Jewish Research im Jahr 2007 erschienen seinerzeit verschiedene Artikel über Otto Franks Bemühungen, in die USA zu emigrieren. Die neue Forschungsarbeit des AFH und des USHMM stützt sich auf die IVO-Dokumente sowie auf neu entdeckte Quellen in den Niederlanden und den USA. Ottos Emigrationsbemühungen werden Schritt für Schritt im Kontext der (Kriegs)Verwicklungen in Europa und den USA dargestellt. Obwohl die USA alles andere als eine großherzige Politik gegenüber jüdischen Flüchtlingen betrieben, wird deutlich, dass Otto, Edith, Margot und Anne Frank die Einreise in die USA nicht offiziell verwehrt wurde. Aufgrund der erwähnten Komplikationen wurde Ottos Einreiseantrag beim US-Konsulat in Rotterdam nie bearbeitet.

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