Am 20. Januar 1942 treffen sich fünfzehn hochgestellte Nazis in einer Villa am Wannsee in Berlin. Auf dieser Konferenz besprechen sie die geplante Ermordung von elf Millionen europäischer Juden.
Die Nazis haben eine Zeitlang gedacht, sie könnten Juden ins Ausland emigrieren lassen, doch durch die Kriegsumstände ist das nicht mehr möglich. Statt dessen sollen die Juden in den Osten „evakuiert“ werden. Es wird damit gerechnet, dass „ein Großteil durch natürliche Verminderung ausfallen wird“. Die übrig gebliebenen Juden werden „entsprechend behandelt“.
Ihre wahre Absicht verbergen sie hinter bürokratischer Sprache. Diese Worte stammen aus einem erhalten gebliebenen Protokoll der Konferenz. Was dort eigentlich steht, ist die Tatsache, dass die Nazis einen Völkermord organisieren. „Evakuieren“ bedeutet die Deportation in Konzentrations- und Vernichtungslager, und „entsprechend behandeln“ steht für „Mord“.
Hitler hat bereits eher beschlossen, dass alle europäischen Juden ermordet werden sollen. In der Sowjetunion agieren ab Juli 1941 deutsche Spezialeinheiten, sogenannte Einsatzgruppen, und töten jüdische Männer, Frauen und Kinder. Und im besetzten Jugoslawien finden seit dem Frühjahr 1941 Hinrichtungen statt. Anfang 1942 sind bereits mehr als eine Million Juden ermordet worden.