Am 22. Oktober 1940 werden mehr als 6500 Juden in den damaligen Gauen Baden und Saarpfalz aus ihren Wohnungen geholt, zusammengetrieben und in ein Lager in Gurs, Südfrankreich, deportiert. Es ist die größte Massendeportation seit dem Beginn des Zweiten Weltkriegs. Die Menschen werden zudem völlig überrumpelt, da die Aktion während des jüdischen Laubhüttenfestes stattfindet.
Die Deportation beginnt nach dem Sieg über Frankreich, als Naziführer aus Elsass-Lothringen Juden über die Grenze nach Vichy-Frankreich abschieben. Als Hitler davon erfährt, fordert er sie auf, das Gebiet völlig „judenfrei“ zu machen. Das veranlasst sie dazu, auch die Juden in den anderen Grenzregionen Baden und Saarpfalz festzunehmen und abzuschieben.
Juden aus allen Dörfern und Städten werden an Bahnhöfen gesammelt und mit Zügen in den unbesetzten Teil Frankreichs transportiert. Die französische Regierung kann ihre Aufnahme nicht verweigern und schickt sie weiter in das Internierungslager Gurs in den Pyrenäen. Die Fahrt dauert vier Tage. Manche Menschen können fliehen, da die Züge oft stehen bleiben.
Im Lager Gurs sind die Lebensumstände sehr schlecht. Die Menschen müssen selber sehen, wie sie an Nahrungsmittel kommen. Männer, Frauen und Kinder leben in separaten Teilen des Lagers. Ein Drittel der Deportierten schafft es, zu überleben, indem sie in Frankreich untertauchen oder ins Ausland fliehen. 1942 werden alle übrig gebliebenen Juden im Lager den Nazis übergeben und in Konzentrations- und Vernichtungslager im besetzten Polen deportiert.
Die Deportation aus Baden und Saarpfalz ist eine Blaupause für die Deportationen von Juden aus Deutschland und den besetzten Gebieten, die später in Gang kommen.
Aus Wien werden bereits ab 1939 Tausende Juden in das Generalgouvernement (ein Teil des besetzten Polen) gebracht. Im Oktober 1941 beginnen die Nazis mit der Deportation von Juden aus anderen Gebieten Deutschlands. Sie verschleppen sie in Ghettos und Arbeitslager und in Konzentrations- und Vernichtungslager im Generalgouvernement und in den gerade eroberten Gebieten der Sowjetunion.
Am 19. Mai 1943 verkünden die Nazis, dass Deutschland „judenrein“ sei. Es gibt zu diesem Zeitpunkt nur noch etwa 20.000 Juden in Deutschland, darunter Ehepartner von Nichtjuden oder Untergetauchte.
Insgesamt ermorden die Nazis ungefähr 165.000 deutsche Bürger jüdischen Glaubens.






