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Westerbork wird überfüllt: Täuschungsmanöver an Simchat Tora

2. Oktober 1942 Westerbork

Nach Großer Versöhnungstag – am 21. September 1942 – teilten die deutschen Behörden dem Judenrat mit, dass vorerst keine Juden nach Deutschland gebracht werden sollen und es nur wenige oder keine Verhaftungen geben würde. Diese Botschaft wurde bald allen Juden bekannt und brachte große Erleichterung. Am 3. und 4. Oktober wurde Sukkot festlich mit Simchat Tora abgeschlossen, und viele Menschen versammeln sich an solchen Tagen.

Aber die Nazis missbrauchten die jüdischen Feiertage auf grausame Weise. Sie hatten Razzien im ganzen Land geplant. Am Freitag, den 2. Oktober abends bis zum nächsten Tag holten sie alle Familien ab, deren Männer sich in Arbeitslagern aufhielten, und brachten sie ins Lager Westerbork. Unter dem Deckmantel der Familienzusammenführung wurden die Väter, Söhne und Brüder, die seit mehr als sechs Monaten nicht mehr zu Hause waren, aus den Arbeitslagern auch in das Lager Westerbork gebracht.

Innerhalb von zwei Tagen werden 13.000 Menschen in das Lager Westerbork gebracht, obgleich dort nur Platz ist für etwa 3.000 Menschen insgesamt. Tausende Menschen mussten in völlig überfüllten Baracken auf dem Boden schlafen.

Das Versprechen, dass keine Juden nach Deutsche Lager gehen würden, entpuppte sich als Lüge der Nazis: Im Oktober 1942 wurden fast 12.000 Juden mit neun Zügen nach Auschwitz deportiert.

Westerbork ist ein Durchgangslager

Am 1. Juli 1942 hatten die Besatzer die Kontrolle über das bereits bestehende Flüchtlingslager Westerbork von den niederländischen Behörden übernommen. Es wurde mit Stacheldraht umzäunt, und das Lager hieß von da an „Polizeiliches Durchgangslager“. Ab 15. Juli wurden fast alle Juden aus den Niederlanden hierher gebracht. Von Westerbork aus wurden sie in deutsche Konzentrations- und Vernichtungslager weitergeschickt. Meist war das Ziel Auschwitz-Birkenau im besetzten Polen, manchmal hielten aber auch Züge unterwegs an, und Männer wurden in deutsche Arbeitslager überstellt.

Am 3. Oktober 1942 waren bereits 24 Züge nach Auschwitz gefahren, mit ungefähr 19.000 Gefangenen. Die meisten von ihnen wurden gleich nach ihrer Ankunft ermordet. Das wussten die Menschen in den Niederlanden jedoch nicht.