Antisemitismus

Ist Kritik an Israel antisemitisch?

Nicht jede Kritik an Israel oder an einer politischen Entscheidung der israelischen Regierung ist antisemitisch. Jeder kann und darf zum Beispiel die Politik der israelischen Regierung gegenüber den palästinensischen Gebieten ablehnen oder kritisieren. Das geschieht auch in Israel selbst.

Auch Protestaktionen gegen Israel oder für die Sache der Palästinenser sind nicht per definitionem ein Ausdruck von Hass auf alle Juden und deshalb auch nicht unbedingt eine Form von Antisemitismus. Theoretisch sollte es möglich sein, über alles, was im und um den Staat Israel geschieht, unterschiedlicher Ansicht zu sein. Auch unter Jüdinnen und Juden gehen die Meinungen oft stark auseinander. 

Eine wirkliche Diskussion über „Zionismus“ oder eine normale kritische Debatte über Israel ist jedoch immer schwieriger zu führen. Die Standpunkte haben sich verhärtet. Die Emotionen schaukeln sich schnell hoch. Das zeigt sich im Internet und in den sozialen Medien. Dort wird Israel regelmäßig mit Nazi-Deutschland verglichen. Dann ist zu lesen: Was Israel heute mit den Palästinensern macht, ist das Gleiche wie die systematische Vernichtung der Juden durch die Nazis im Zweiten Weltkrieg. 

Dieser Vergleich ist nicht nur unangebracht, sondern auch falsch und verletzend. Im Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern gibt es Opfer. Doch von Vernichtung ist nicht die Rede. Wenn man solche Vergleiche anstellt, ist das tatsächlich antisemitisch.

Oft wird Kritik an Israel mit antisemitischen Mythen und Symbolen verknüpft. So begegnet man verletzenden, hasserfüllten Karikaturen, die reiche Juden darstellen oder zeigen sollen, wie Israel überall auf der Welt hinter den Kulissen die Fäden in der Hand hat. Eine Israelkritik mit solchen Darstellungen und Symbolen ruft Erinnerungen an die Verfolgungen in der Vergangenheit wach, an den Holocaust. Das passt in die lange Geschichte des Antisemitismus.