4. August 2026
—
Am 4. August 1944, heute vor 82 Jahren, wurden Anne Frank, die sieben weiteren Untergetauchten im Hinterhaus und zwei ihrer Helfer verhaftet. Die Verhaftung und das schreckliche Schicksal der Untergetauchten sind weithin bekannt. Von ihnen kehrte nach dem Krieg nur Otto Frank aus den Lagern zurück. Weniger bekannt ist das Schicksal der beiden Helfer Johannes Kleiman und Victor Kugler.
Was geschah mit ihnen?Was geschah mit ihnen?
Johannes Kleiman und Victor Kugler wurden 1941 Geschäftsführer der Unternehmen von Otto Frank, nachdem dieser infolge der antijüdischen Maßnahmen die Kontrolle über seine beiden Firmen hatte abgeben müssen. Neben der Leitung der Unternehmen kümmerten sich beide Männer ab Juli 1942 um die Untergetauchten, die sich im Hinterhaus des Firmengebäudes an der Prinsengracht 263 in Amsterdam verborgen hielten. Dabei arbeiteten sie mit vier weiteren Helfern zusammen: Bep Voskuijl und ihrem Vater Johan Voskuijl sowie Miep und Jan Gies. Jüdischen Menschen zu helfen war eine große und lebensgefährliche Verantwortung. Und diese Hilfe forderte ihren Tribut.
‘Du weißt, wir haben ihn alle sehr lieb, und obwohl er ständig krank ist, oft Schmerzen hat und weder viel essen noch viel laufen darf, ist er doch immer fröhlich und bewundernswert mutig.’
‘Kugler, dem die gewaltige Verantwortung für uns acht manchmal fast zu viel wird und der vor lauter Anspannung und Aufregung kaum noch sprechen kann.’
Lager Amersfoort
Mehr als zwei Jahre lang gelang es den sechs Helfern, die acht Untergetauchten vor den Nationalsozialisten zu schützen – bis zur Razzia am 4. August 1944. Neben den Untergetauchten wurden auch Johannes Kleiman und Victor Kugler verhaftet und inhaftiert. Otto Frank fühlte sich schuldig, doch Johannes beruhigte ihn sofort mit den Worten: „Mach dir darüber keine Sorgen! Ich hatte die Wahl und bereue sie nicht.“ Anfang September wurden Johannes Kleiman und Victor Kugler in das Polizeiliche Durchgangslager Amersfoort deportiert. Wegen seines schlechten Gesundheitszustands wurde Johannes – auf Drängen des Roten Kreuzes – bereits nach einer Woche freigelassen. Victor blieb dort drei Wochen und wurde anschließend über Zwolle nach Wageningen gebracht. Im März 1945 musste er gemeinsam mit einer großen Gruppe Gefangener in Richtung NS-Deutschland marschieren. Als die Kolonne von alliierten Flugzeugen angegriffen wurde, gelang ihm die Flucht. Nach mehreren Tagen auf der Flucht und mit Hilfe unbekannter Menschen kehrte Victor zu seiner Frau zurück. Dort hielt er sich bis zur Befreiung verborgen.
Gerechte unter den Völkern
Die Helfer führten die Unternehmen weiter und hofften auf die Rückkehr der Untergetauchten: Otto, Edith, Margot und Anne Frank, Hermann, Auguste und Peter van Pels sowie Fritz Pfeffer. Nur Otto überlebte die Konzentrations- und Vernichtungslager und kehrte nach dem Krieg nach Amsterdam zurück. Als Otto Frank 1952 nach Basel zog, wurde Johannes bis zu seinem Tod im Januar 1959 zu seiner rechten Hand in Amsterdam. Victor emigrierte 1956 nach Kanada, wo er im Dezember 1981 starb. Nach dem Krieg erklärten beide, dass sie keinen Augenblick gezögert hätten, den Untergetauchten zu helfen. Es waren ihre Freunde. 1973 wurden auf Antrag von Otto Frank fünf Helfer des Hinterhauses mit der hohen israelischen Auszeichnung Gerechte unter den Völkern geehrt.