Die Hauptpersonen

Jan Gies

Jan Gies ist der Mann von Miep. Er ist zwar nicht aktiv in Otto Franks Firma tätig, fungiert aber offiziell als Geschäftsführer, und er ist ein Helfer der Untergetauchten. Er ist oft im Hinterhaus zu finden, und er beschafft Bücher und Rationierungsmarken.

Jan lernt die Familie Frank über seine Verlobte Miep Santrouschitz kennen. Ab 1936 ist er regelmäßig unter den Gästen, wenn die Franks am Samstagnachmittag Freunde und Bekannte einladen. 

Als Juden keine Firmen mehr besitzen dürfen, nimmt Otto Frank Jans Hilfe dankbar an. Jan gründet zusammen mit Victor Kugler die Firma Gies & Co. als Nachfolgebetrieb von Ottos Firma Pectacon. Jan wird formal Geschäftsführer. So bleibt Ottos Firma davor bewahrt, in die Hände der Besatzungsmacht zu fallen, denn mit einem jüdischen Besitzer wäre sie unter deutsche Aufsicht gestellt worden.

Im Widerstand

Jan und Miep heiraten im Sommer 1941. Otto ist Trauzeuge, und Anne begleitet ihn. Edith kann nicht dabei sein, weil Margot und Großmutter Holländer krank sind. Die Hochzeitsfeier findet in den Räumen von Ottos Firma statt. Anne überreicht dem Paar im Namen ihrer Familie und der Büroangestellten einen Silberteller.

Jan schließt sich in der Besatzungszeit dem Widerstand an. Im Rahmen seiner Tätigkeit als Sozialarbeiter  kann er unauffällig Leute aufsuchen und ihnen zum Beispiel gefälschte Papiere bringen. Dank seiner Kontakte gelangt er auch an Rationierungsmarken.

Woraus seine Widerstandsarbeit ansonsten genau besteht, ist nicht bekannt. Jan ist ein stiller Held des Widerstands. In der Besatzungszeit redet er selbstverständlich nicht darüber, und nach dem Krieg hält er es nicht für nötig, ausführlich davon zu berichten.

Eine unruhige Nacht

Am 5. Juli 1942 steht Hermann van Pels unerwartet vor Jans und Mieps Tür. Er erzählt ihnen, dass Margot einen Aufruf erhalten hat, und bittet sie, zur Familie Frank zu kommen. Sie sollen helfen, noch möglichst viele Gegenstände ins Versteck zu schaffen. Jan und Miep gehen sofort los und holen einige Sachen zuerst zu sich nach Hause, um sie später ins Hinterhaus zu bringen. 

Am 18. Juli veranstalten die Untergetauchten im Hinterhaus ein Festessen für Jan und Miep Gies zu deren erstem Hochzeitstag. Jan und Miep schlafen sogar einmal eine Nacht im Hinterhaus und erfüllen Anne damit einen großen Wunsch. Anne freut sich über die Nähe der beiden, doch Jan und Miep machen kein Auge zu.

‘Zufrieden setzt sich Herr Gies auf die Couch oder lehnt sich gegen den Schreibtisch. Ddie Zeitung, Tasse und meistens Katze neben sich. Wenn eines von den dreien fehlt, wird versäumen zu protestieren.’

Mittagspause im Hinterhaus

Jan bringt - so wie Miep - den Versteckten regelmäßig Bücher mit. Seine Mittagspause verbringt er oft im Hinterhaus. Dort bekommt er dann Suppe und einen Nachtisch, falls es welchen gibt. Die Untergetauchten freuen sich immer, wenn Jan vorbeikommt und Neuigkeiten aus der Stadt mitbringt.

Jan und Gies tragen nicht nur Verantwortung für die Untergetauchten im Hinterhaus. Im Jahr 1943 verstecken sie auch bei sich zu Hause jemanden. Der Student Kuno van der Horst hat sich geweigert, eine „Loyalitätserklärung“ zu unterschreiben. Alle Studierenden in den Niederlanden müssen ausdrücklich versprechen, dass sie sich der Besatzungsmacht nicht widersetzen werden. Wer die Erklärung nicht unterschreibt, geht das Risiko ein, verhaftet und nach Deutschland gebracht zu werden. Jan und Miep nehmen Kuno van der Horst auf, bis ihnen das Risiko zu groß wird und sie ihn bitten, sich ein anderes Versteck zu suchen. Kuno geht zu seiner Mutter zurück und wird den Krieg überleben.

„Die Luft ist nicht rein“

Dass Helfen mit Risiken verbunden ist, zeigt sich am 4. August 1944. An diesem Freitag kommt Jan mittags wie gewöhnlich in die Prinsengracht 263, um einen Happen mitzuessen. Doch Miep erwartet ihn an der Tür und gibt ihm ihre Tasche. „Die Luft ist nicht rein“, warnt sie ihn. Niederländische Polizisten unter dem Kommando von SS-Hauptscharführer Karl Josef Silberbauer sind an diesem Tag in das Haus eingedrungen. Sie haben die acht Untergetauchten und Johannes Kleiman und Victor Kugler verhaftet. 

Jan macht, dass er wegkommt. Er geht zum Bruder des Helfers Johannes Kleiman, und die beiden beschließen zusammen, zurückzugehen und herauszufinden, was weiter passiert. Aus sicherer Entfernung beobachten sie, wie die Verhafteten weggebracht werden.

Mieps Begleiter

Zu Jans und Mieps großem Kummer kehrt nach der Befreiung außer Otto Frank niemand ihrer Schützlinge aus den Konzentrationslagern zurück. Sie nehmen Otto bei sich auf, und er wird mehr als sieben Jahre lang bei ihnen wohnen. In dieser Zeit bekommen Jan und Miep einen Sohn, Paul. 

Anders als Miep bleibt Jan im Hintergrund, wenn es um Anne und das Hinterhaus geht. Meist ist er als Mieps Begleiter dabei, wenn sie interviewt wird oder ihre Geschichte erzählt. Im Spaß bezeichnet er sich als „Prinzgemahl“. Jan Gies stirbt am 26. Januar 1993 im Alter von 87 Jahren.